Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

mit Schreiben vom 21.04.2016 hat die „Interessengemeinschaft pro OW1“ die Verwaltung der Stadt Kevelaer darüber informiert, dass sie beim Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr in NRW um die zeitnahe Installation eines Luftmesscontainers zur Ermittlung der Feinstaub- und Stickoxidbelastung vor Ort gebeten hat. Vom Ministerium für Klima-schutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW kam daraufhin die Mitteilung, dass die Messstandorte jährlich festgelegt werden und über den Kevelaerer Antrag erst im Rahmen der Planungen für 2017 entschieden wird.

Um die Dringlichkeit der Messung zu untermauern, können die Umweltämter vor Ort mit Hilfe eines Programms, das das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) auf seiner Internetseite zur Verfügung stellt, eine eigene Vorabuntersuchung durchführen. Dabei wird auf Basis von Verkehrsaufkommen, Straßenbreite, Bebauungsgrad und der ortsüblichen Hintergrundbelastung die zu erwartende Konzentration an Feinstaub und Stickstoffoxid berechnet. Das Ergebnis liefert nicht nur umgehende Erkenntnisse zur vorhandenen Belastung und Gesundheitsgefährdung der Anwohner, sie ist auch ein wichtiges Argument bei der Auswahl der Standorte für die offiziellen Messungen im Folgejahr.

Vor dem Hintergrund des Gesundheitsschutzes der Anwohner an der aktuellen Hauptverkehrsachse zwischen A57 und Kevelaer und der zusätzlichen Möglichkeit, die Ergebnisse als weitere Argumente für die Umsetzung des zweiten Bauabschnitts der OW1 einzusetzen, unterstützen wir das Anliegen der „Interessengemeinschaft pro OW1“ und beantragen die zeitnahe Durchführung des Luftschadstoffscreenings an der Rheinstraße in Kevelaer und – soweit von den dortigen Betroffenen gewünscht – an der Kevelaerer/Sonsbecker Straße in Winnekendonk.

Begründung

Das Thema „OW 1“ ist ein politischer Dauerbrenner ohne erkennbares Ende, und die aktuellen Mitteilungen der Bezirksregierung in Düsseldorf lassen nicht vermuten, dass die Realisierung des zweiten Bauabschnitts dort energisch unterstützt und vorangetrieben wird. Dies bedeutet für die Anwohner der aktuellen Hauptverkehrsachse zwischen der A57 und Kevelaer eine weiter andauernde starke Belastung durch ein Verkehrsaufkommen, für das die entsprechende Straße nicht ausgelegt ist.

Neben dem latenten Sicherheitsrisiko durch den massiven Verkehr und die bereits aktenkundige Lärmbelastung ist auch die Belastung der Anwohner mit Schadstoffen ein Thema, das Anlass zur Sorge gibt und sicherlich dazu geeignet ist, als zusätzliches Argument für die Fertigstellung der OW1 ins Feld geführt zu werden. Wenn man in Düsseldorf den Habitatschutz und die Lebensqualität eines imaginären Nagetiers, dessen Vorhandensein nur aufgrund nicht eindeutig identifizierter Fraßspuren angenommen wird, so hoch einstuft, dass ein seit mehr als 60 Jahren in Planung befindliches Bauprojekt erneut um Monate oder sogar Jahre verzögert werden kann, wie viel mehr Dringlichkeit muss dasselbe Bauvorhaben bekommen, wenn durch seine Nichtfertigstellung die Lebensqualität und Gesundheit einiger Hundert real existierender Menschen in Kevelaer nachhaltig beeinträchtigt sind?